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Donnerstag, 29. September 2011

AKC Rissbachfliegen 2011

Traditionell wurde der Wildwasser-Herbst mit dem Rissbachfliegen im Karwendel eingeleutet. Traumhaftes Altweibersommerwetter und ein idealer Wasserstand waren Grund genug dass sich am 25. September eine beträchtliche Schaar AKCler und Clubfreunde am schwersten Wildwasser Deutschlands einfanden. Rissbachkönig der alljährlichen Massenbefahrung wurde dabei Seppi Strohmeier, der sich gleich 20 Mal an der spektakulären Wasserfallkombination versuchte.

Foto: Michelle Hohmbach

Alle Jahre wieder findet am letzten Septemberwochenende das legendäre Rissbachfliegen statt. Ausrichter ist der Alpine Kajak Club, der die Rissbachklamm regelmäßig als Teststrecke für neue Clubanwärter nutzt. Doch auch Wanderpaddlern ist die Klamm ein Begriff. Stürzt sich der Rissbach doch kurz nach dem Ausstieg des klassischen Abschnitts unmittelbar an einer Straßenbrücke in einer sehenswerten Niederklamm in die Tiefe.

Foto: Michelle Hohmbach

Die Hauptklamm besteht dabei aus drei Wasserfällen, von denen der Höchste 6 Meter misst. Die Strecke ist sehr gefährlich, da überall Unterspülungen und Rückläufe lauern. Fahrfehler hätten fatale Folgen und eine Absicherung ist fast nicht möglich, da die Wasserfälle von senkrechten Felswänden eingeschlossen sind. Dennoch werden beim AKC Rissbachfliegen keine Mühen gescheut und allerhand Seile und Sicherungen in die Klamm gelegt um den Befahrern im Notfall vom Ufer aus helfen zu können.

Foto: Seppi Strohmeier

Und dies erwies sich als durchaus angebracht. Neben den zahlreichen problemlosen Fahrten gab es doch den ein oder anderen Schwimmer und sogar eine ausgekugelte Schulter zu beklagen. Glücklicherweise verliefen aber alle Rettungsaktionen vorbildlich und auch der Schulterpatient wurde vor Ort sofort von ärztlicher Seite betreut.


Der offizielle Wettkampf des Rissbachfliegens ist unkompliziert und ohne große Regeln. Gewinner ist derjenige, der an einem Tag am meisten Abfahrten auf der Rissbach Klamm meistert. Dabei muss auch das Boot aus eigener Kraft wieder vom Klammende bis zum Einstieg hinaufgetragen werden. Diesjähriger Rissbachkönig wurde Seppi Strohmeier, der sich mit 20 Befahrungen auf den insgesamt 2. Platz der häufigsten Befahrungen an einem Tag (hinter Stefan Mayer mit 25 Fahrten am 30.9.2006) katapultiert. Seppi ist einer der Söhne des Rissbachklamm Erstbefahrers Sepp Strohmeier, der sich bereits 1978 im 4 Meter Glasfaserboot als erster Kajakfahrer überhaupt an die spektakulären Wasserfälle wagte.

Foto: Peter Lintner

Pro Fahrt werden etwa 15-20 Minuten in Anspruch genommen. Seppi war also etwa 6,5 Stunden non stop im Einsatz. Die Klamm baut vom Ein- bis zum Ausstieg geschätzte 20 Meter Gefälle ab. Es wurden daher im Kajak ca. 400 Höhenmeter bewältigt. Am kräftezehrendsten ist aber das Hinaufschleppen der Ausrüstung. Alleine das Boot wiegt mit Sicherheitsequipment gut 20 kg. Seppi trug zusammen addiert also fast eine halbe Tonne Gewicht auf seinen Schultern. Und das über den matschigen und steilen Pfad aus der Schlucht hinaus.

Foto: Michelle Hohmbach

Im Anschluss wurde im Faller Hof weltmeisterlich gefeiert, denn AKCler lieben es, auch ihre Seelen von innen zu spülen.

Vielen Dank an die Organisatoren des Alpinen Kajak Clubs für die großzügige Verpflegung mit Leberkäs und die beste Sicherung, die an einem derart unzugänglichen Ort überhaupt möglich ist. Bis zum nächsten Jahr!

Dienstag, 31. Mai 2011

Kayak Chile 2011 Video Clips

Die letzten 2 Wochen meiner Zeit in Chile habe ich mit einer etwas chaotischen aber unheimlich netten und lustigen Gruppe Paddler verbracht, die mich mit ihrem Mietwagen 'Natasha' vom Rio Futaleufu zurück nach Pucon nahmen. Diese Jungs waren Tim und Dave aus England sowie die Strobl Brüder Lukas und Chris aus Österreich.

Die Strobls haben während ihrer Reise fleissig gefilmt und nun auch zwei fette Video Clips mit ihrem Material ins Internet gestellt. Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte. Also einfach anklicken und reinziehen:

Teil 1:


Teil 2:



Kamera und Editing: Lukas und Chris Strobl

Samstag, 14. Mai 2011

Freestyle DM und WM Quali in Plattling

Niedrigwasser aber traumhaftes Sommerwetter waren die Rahmenbedingungen für die Deutsche Meisterschaft im Kanu Freestyle vergangenes Wochenende. Etwa 80 Teilnehmer plus Zuschauer und Groupies waren ins niederbayerische Plattling gekommen, um Deutschlands beste Kanuakrobaten zu ermitteln. Neben der Deutschen Meisterschaft entschieden die Läufe auch über den Einzug zur Weltmeisterschaft, die im Juni an eben derselben Welle abgehalten wird.

Foto: Horst Fürsattel

Als letzte Generalprobe vor der WM gelang es Cheforganisator Robert Sommer, einen reibungslosen Event auf die Beine stellen. Sogar das Wetter spielte mit und zeigte sich von seiner besten Seite: Sonne pur und Temperaturen mit weit über 20° Celsius sorgten für gute Laune unter den zahlreichen Teilnehmern und Zuschauern, die anlässlich der Meisterschaft und Quali nach Plattling gekommen waren.

Allerdings überschattete der niedrige Wasserstand den Wettkampfverlauf. Schneearmut im Winter und der fast trockene Frühling führen zu einem der niedrigsten Isarpegelstände im Mai seit Jahren. Und so trat am Tag des Events auch ein was im Vorfeld schon befürchtet wurde: der Pegel fiel im Tagesverlauf noch weiter und machte es für die Athleten extrem schwierig, überhaupt noch Figuren auf die Plattlinger Welle zu zaubern.


Foto: Horst Fürsattel

Die Vorläufe wurden in Form des Session Formats abgehalten, das es jeder Gruppe von 5 Paddler innerhalb von 10 Minuten erlaubt, nacheinander immer wieder auf die Welle zu fahren um möglichst viele verschiedene Figuren zu zeigen. So hat man beim Session System die Möglichkeit, einen nicht gestandenen Move auch mehrfach zu probieren und so den schwierigen Wasserstand etwas zu entschärfen. Im Finale allerdings zählte von jedem Teilnehmer nur mehr der bessere von zwei 45 Sekunden Läufen. Und so zeigte sich knallhart, wer mit den schlechten Bedingungen am besten zurecht kam und auch hier noch konstant punkten konnte.


Foto: Horst Fürsattel

Bei den Damen war es Wildwasser Rennfahrerin Anne Hübner, die sich mit soliden Basics an die Spitze des Klassements rotierte und sowohl das Ticket zur WM löste als auch die Deutsche Meisterschaft für sich entschied.

Bei den Herren war das Niveau der Figuren trotz des Pegels noch erstaunlich hoch und besonders zwei Kandidaten machten klar, dass sicher kein Weg an ihnen vorbei führt. Martin Koll, der seit Monaten schon an der Welle wohnt um dort täglich zu trainieren, schaffte mit seinem eigens gebauten Karbonboot „Vollkorn“ selbst jetzt noch Loops mit dick Air unterm Sitz. Und Stohlquist Teamkollege Simon, der einzige Paddler, der in den Vorläufen mit weitem Abstand die 1000 Punkte Marke knackte und im Feld über die wohl größte Wettkampferfahrung verfügt. Mit seinem nagelneuen Project X 48 zeigte er, was im Wave Sport Freestyle Boot steckt und dass es kein Leichtbau Karbonboot braucht, um die spektakulärsten highscore Moves zu fahren.

Foto: Horst Fürsattel

Am Ende wurde es tatsächlich richtig knapp und spannend: Martin legte einen satten Laufe vor, an den Simon bis auf einen Hauch Punkte herankam, diesen aber nicht mehr überbieten konnte. Bei mir selbst war nach dem ersten Lauf noch alles offen und ich musste volles Risiko gehen, um mich mit dem letzten Versuch ins WM Team zu fahren. Mein Trumpf im Ärmelwar der Project 54 CX aus steifem Glasfaser-Karbon. Damit klappten im entscheidenden Lauf auch die McNasties beidseitig auf Anhieb. Dazu ein paar Enden links und rechts und die Katze war im Sack. Schließlich reichte es sogar fürs Podium und Platz 3 hinter Martin und Simon.

Foto: Horst Fürsattel

In Anbetracht des hohen Niveaus was im Final der Herren gezeigt wurde lässt sich optimistisch der WM entgegen blicken. Und wer weiß, vielleicht können wir ja unseren Heimvorteil nutzen und endlich wieder einen wichtigen Freestyle Titel nach Deutschland holen. Man darf jedenfalls gespannt sein…

Mittwoch, 30. März 2011

Classic Chile - Vom Baker nach Pucon

Schon vor der Fahrt nach Villa O'Higgins statteten wir dem Baker einen Besuch ab. Nachdem wir auf die Gruppe um Ron, Severin, Anne und Maxi gestoßen waren hatten wir den wasserreichsten Fluss Chiles, sowie seinen Nebenfluss, den Río Cochrane, befahren. Nun kommen wir auf dem Rückweg nach Norden wieder hier vorbei und lassen uns das wuchtige Spektakel natürlich nicht entgehen.

Foto: Severin Häberlin

Rio Chocrane, Foto: Jakub Sevidy

Big Water Paddeln erfährt am Baker völlig neue Dimensionen. Wassermassen von etwa 1000m³/s pressen sich unterhalb von Puerto Bertrand nacheinander durch drei Schluchten, in denen diese Massen sich in gewaltig Wellenberge, Walzen und Strudel verwandeln. Schwimmen ist am Baker tabu und selbst im Boot sitzend kann man von so mancher Strömungsverwirbelung komplett unter Wasser gezogen und erst nach kreiselnder Karussellfahrt wieder ausgespuckt werden.

Salto de Nef, Foto: Maxi Siech

Wenngleich die Linien durch die einzelnen Stromschnellen klar ersichtlich sind, so spielt auch immer der Zufall eine Rolle, ob man sie denn wie geplant erwischt. Mal bricht sich eine Welle genau vor der Nase und versetzt einen um locker 10 Meter nach links oder rechts, mal lässt sie einen ungebremst passieren und man wird gar nicht richtig nass dabei.

Ron im Chaos der S-Turns, Foto: Severin Häberlin

Feierbier nach erfolgreicher Befahrung, Foto: Jakub Sevidy

Eng verbunden mit dem Baker ist auch die Staudammproblematik in Chile. Der mächtige Strom ist unter den finalen Kandidaten für eine umfangreiche Aufstauung, was aus vielerlei Gründen kritisch zu betrachten ist. Nicht nur würden riesige Flächen traumhaft schöner und ursprünglicher Flusslandschaft unter einem Stausee verschwinden, auch müssten gewaltige Schneisen für Hochspannungsleitungen vom tiefen Süden bis hoch nach Santiago in die Natur geschlagen werden. Denn große Mengen an Strom werden nur im industrialisierten Norden für dessen explorative Minenwirtschaft benötigt. Dem Süden entstünden daraus nur Nachteile. Mit dem Slogan „Patagonia sin represas !“ wehrt sich daher die Bevölkerung der Aysen Region gegen das Profitstreben großer Energiekonzerne.

"Patagonia ohne Staudämme", Foto: Severin Häberlin

Vom Baker aus geht es weiter zum großen Klassiker Chiles, dem Río Futaleufu. Anne und Maxi haben auf dem Weg dorthin einen Frontalcrash mit ihrem Mietwagen und müssen für die letzten Kilometer bei Jakub, Förster und mir mit ins Auto springen.

Ich selbst bleibe 5 Tage am Futa und genieße die Zeit an einem der schönsten Flüsse der Welt in vollen Zügen. Umgeben von tiefgrüner Vegetation strömt hier glasklares Wasser auf 46 Kilometern durch malerische Schluchten mit Namen wie Inferno Canyon, Terminator Section und Bridge to Bridge Playrun. Nach getaner Paddelei gibt es abends dann am Cara Del Indio Camp original Chilenisches Asado vom Schaf, bevor wir die sternklare Nacht im aufgeheizten Hot Tub über uns herein brechen lassen.

Im Inferno Canyon, Foto: Lukas Strobl

Mein Rückflugdatum rückt während dieser Zeit schnell näher und ich mache mich auf die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit zurück nach Pucón. Schließlich erklären sich die zwei Strobl Brüder Lukas und Chris aus Österreich und die beiden Engländer Tim und Dave bereit, mich in ihren eh schon voll gestopften Miet-Pick-up namens Natasha aufzunehmen, um gemeinsam gen Pucón zu ziehen.

Natasha voll beladen, Foto: Lukas Strobl

Mit unseren 5 Kajaks und Paddeltaschen plus Reisegepäck ist der Wagen natürlich heillos überladen und auch der Sitzkomfort im Inneren hält sich in Grenzen. Doch die gemeinsamen Interessen schweissen zusammen und machen die letzte Woche meines Roadtrips zu einem der lustigsten Abschnitte meiner ganzen Reise.

Eng aber lustig - die Fahrt mit Natasha, Foto: Tim

Vom Futa aus geht es für uns erst einmal nach Argentinien zum Río Manso, einem absoluten Highlight. Mit dem Salto Los Alerces gibt der schon vom Einstieg an ordentlich Gas. In der abgelegenen Schlucht hält der Manso dann das Tempo lange aufrecht und reiht einen Genusshüpfer an den nächsten. Konditionell anspruchsvoll wird es dann im Schlussteil, wenn zum Ausstieg am Lago Steffen über eine Stunde lang gegen den Wind quer über den ganzen See gepaddelt werden muss.

Lukas inspiziert die Linie des Salto Los Alerces, Foto: Lukas

Freewheel am Rio Manso, Foto: Dave

Wieder zurück in Chile wartet der Río GolGol unmittelbar hinter der Grenze auf wasserfallhungrige Paddler. Auf einer Länge von nur 5 Kilometern präsentiert der GolGol ein wahres Feuerwerk an fahrbaren Stufen und Rutschen. Die nötige Entspannung für unsere Boof-geplagten Rücken gibt es dann abends in der Thermalquelle bei Puyehueco. Eine Reihe von Gumpen voller Schwefelwasser mit Temperaturen von lauwarm bis unerträglich heiß laden zum gemütlichen Baden ein. So lässte es sich aushalten :).

Die Thermalquelle von Puyehueco, Foto: Tim

Wunderschöner See bei Barriloche unweit der Chilenischen Grenze, Foto: Chris Strobl

Als abschließendes Highlight haben wir uns die 20m Park and Huck Stufe am Río Nilahue aufgehoben. Nach der ausführlichen Besichtigung und Diskussion der Linie entschließen sich neben mir auch Tim und die Strobl Brüder zu einer Befahrung. Dabei werden die Österreicher von der Stärke der Strömung in der Anfahrt überrascht und weit nach links gedrückt. Beide können aber der gefährlichen Unterspülung im Unterwasser entkommen. Und so wird Befahrung im Anschluss, wie es sich gehört, natürlich angemessen gefeiert, um das überschüssige Adrenalin wieder abzubauen.

Seppi im Landeanflug am Nilahue, Foto: Dave

Pucón ist nun nur noch eine Tagesreise entfernt. Nach einem Abstecher zum Fuy, einem der schönsten Flüsse der Region, rollen wir gut gelaunt und völlig euphorisch in der Outdoor Hauptstadt Chiles ein. Eine Unterkunft ist schnell gefunden, die hungrigen Mägen im Umdrehen gefüllt. Und schon kann es los gehen auf die Party, die traditionell in Mama's und Tapas ihren Ausgang nimmt und irgendwann frühmorgens in einer der Diskos am Ortsrand endet. Ein gebührender Abschluss meines langen Roadtrips quer durch den Süden Chiles.

Einer der schönsten Flüsse Chiles - der Rio Fuy, Foto: Lukas

Am nächsten Abend begleiten mich Tim und die Strobls schließlich zum Busterminal, von wo aus mich nur noch 10 Stunden Nachtfahrt vom Flughafen in Santiago trennen. Mit schwerem Herzen verstaue ich mein Gepäck und verabschiede mich von meinen neuen Freunden, von Pucón und vom Süden Chiles, wo ich in den letzten 3 Monaten die vielleicht schönsten und eindrucksvollsten Erlebnisse meiner Kajakkarriere hatte. Als der Bus sich in Bewegung setzt und vor meinem Auge die Erinnerungen wie in einem Film ablaufen wächst in mir der feste Entschluss, wieder zurück zu kommen. Doch am Ende meiner 5-monatigen Reise durch ganz Amerika spüre ich erstmals auch den Wunsch, wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen. Und so schlummere ich langsam ein, voller Vorfreude auf daheim.

Tolle Zeit mit tollen Leuten gehabe - wir kommen bestimmt wieder, Foto: Mariann Saether


Sonntag, 20. März 2011

Patagonia Roadtrip

Auf Erkundungtour im tiefen Süden

Patagonien - eine der letzten ursprünglichen und wilden Gegenden der Welt. Ganz im Süden Chiles und Argentiniens tronen die zerklüftete Bergzüge der Anden im Westen über der ausgedorrten und einsamen Steppe Argentiniens und bilden so ein Bollwerk gegen den peitschenden Wind und die dunklen Regenwolken des Pazifik. Diese atemberaubende Landschaft zieht seit Jahrzehnten vor allem Extremkletterer und Trekkingspezialisten in ihren Bann. Deren beliebteste Pilgerstätten sind die Nationalparks Torres del Paine und Los Glaciares um den Mount Fitzroy sowie die Häuseransammlung Villa O'Higgins am südlichsten Ende der Carretera Austral.

Kajakfahrer allerdings hatten, wohl auf Grund der Abgelegenheit vom bereits erschlossenen Paddelparadies um Pucón weiter im Norden, noch nie den Weg nach Süden gefunden, wenngleich ein Blick auf Google Earth doch große Hoffnung auf enormes Wildwasserpotential weckt.

Das nehmen Mariann Saether, Jakub Sevidy und ich zum Anlass, eine Erkundungstour durch den noch wilden Süden Patagoniens zu unternehmen.

Nachdem ich den Dezember im Kajak Hotspot Pucon verbracht habe mache ich mich per Flugzeug von Puerto Montt auf nach Punta Arenas an der Magellanstraße, ganz an die südlichste Spitze des amerikanischen Festlandes. Klar, dass wir dort den örtlichen Pinguinkollonien einen Besuch abstatten. Unser Ziel für die weiteren Wochen ist es nun, Patagonien nach Norden hin aufzurollen und mit dem Kajak weitgehen zu erschließen.

Beinahe 2000m ragen die Granitpfeiler des Torres del Paine Massivs majestätisch über die Patagonische Steppe. Mit mehr als 200.000 Besuchern jährlich zählt der Nationalpark zu den populärsten in ganz Südamerika. Neben den Multiday Trekkingtouren um die Torres stellen auch zahlreiche Wasserfälle auf den Flüssen des Parks hoch frequentierte Touristenattraktionen dar, die wir mit den Booten genauer unter die Lupe nehmen.

Besonderes Highlight: der Salto Grand am Río Paine, eine mächtige 10m Stufe mit explodierenden Wassermassen und Monsterrücklauf auf der rechten Seite. Doch über eine Querwalze in der Einfahrt hinweg und mit sauberem Boof nach links erscheint der Fall tatsächlich machbar.

Um Schwierigkeiten mit Rangern aus dem Weg zu gehen starte ich in der Morgendämmerung des nächsten Tages zu einer ausgibigen Besichtigung. Nach langem hin und her entschließe mich letztendlich für einen Versuch und hole Mariann und Jakub als Safety- und Fotocrew aus dem Zelt. Die heftigen Windböen zerren hart am Paddel, als ich im letzten Kehrwasser vor der Abbruchkante sitze. Ich warte eine kurze Windpause ab, nehme Anlauf und boofe was das Boot hergibt. Geschafft! Jakub, der im Kehrwasser mit dem Wurfsack wartet grinst. Gemeinsam paddeln wir über den wuchtigen Ausgangsrapid dem Auto entgegen.

Nachdem Jakub und Mariann die Befahrung am nächsten Morgen ebenfalls gelingt machen wir uns auf den Weg aus dem Park hinaus, um etwas weiter im Norden nach paddelbaren Flüssen zu suchen. Doch am Ausgang des Parks in Cerro Castillo, das sich unmittelbar an der Grenze zu Argentinien befindet, kommt die große Überraschung. Auf Grund einer angekündigten Reduzierung der Gaspreis Subventionen in der Region Magellanes durch die Chilenische Regierung hat sich die erboste Bevölkerung spontan zu einem kollektiven Streik mit Straßenblockaden entschlossen. Wichtige Verbindungsstraßen sowie die Nationalparks und Grenzübergänge sind mit Bussen und Bergen von Autoreifen auf unbestimmte Zeit abgeriegelt.

An eine Weiterreise ist erstmal nicht zu denken. Wir stecken fast ohne Essen und mit einem kläglichen Rest Benzin nur wenige Kilometer von Argentinien entfernt im Nationalpark fest. Allerdings gibt es in der örtlichen Bibliothek von Cerro Castillo öffentliches Internet. Unsere Idee: per Google Earth einen Schleichweg um die Straßensperren zu finden. Tatsächlich scheint es einen winzigen Feldweg um die Grenzstraße herum zu geben. Wir lassen unsere Reispässe ausstempeln und wagen einen Versuch. Es klappt! Kurz hinter der Blockade führt uns die Umgehung auf die Hauptstraße zurück. Wir geben Gas und atmen erleichtert durch, als wir in Argentinien über die Grenze rollen.

Das Auto wieder vollgetankt geht es weiter nach Norden. Wir statten dem spektakulären Perito Moreno Gletscher einen Besuch ab und begeben uns dann nach El Chaltén in den Nationalpark Los Glaciares. Trotz des gemischten Wetters können wir auf unserer Suche nach Wildwasser auch den ein oder anderen Blick auf Cerro Torre und das Fitzroy Massiv werfen.

Leider wird aber unserem Paddelergeiz schnell ein Strich durch die Rechnung gemacht. Nach 3-stündigem Materialschleppen zum Einstieg des Río Blanco treffen wir auf einen Ranger, der uns über das Verbot jeglichen Befahrens der Flüsse im Park unterrichtet. Nur mit großer Überwindung schultern wir also die Boote um sie wieder zurück ins Tal zu tragen.

Doch unser Entdeckergeist wird dadurch nicht erschüttert. Auf der staubigen und rumpeligen Routa 40 fahren wir über 600 Kilometer entlang der Argentinischen Steppe schnurstracks nach Norden, um in Chile Chico weiter unser Glück zu versuchen. Mit Kletterausrüstung ausgestattet erkunden wir die Schlucht des Río Aviles und paddeln den traumhaft schönen Río Jeinimeini.

Am Río Baker treffen wir auf die Gruppe um Ron, Severin, Maxi, Anne und Förster. Gemeinsam tun wir uns zusammen für die anstrengende Fahrt bis ganz ans Ende der Carretera Austral nach Villa O'Higgins.

Wegen ihrer abgelegenen und isolierten Lage ist die Ortschaft eher den Backpackern auf ihrer Durchreise zum Fitzroy ein Begriff. Doch dies könnte sich bald ändern. Auf unserer Suche nach lohnenswertem Wildwasser sind wir hier auf wahre Schätze gestoßen. Nach langwierigen Internet- und Kartenrecherchen sowie Wanderungen entlang kilometerlanger Schluchten, die über und über mit klettenartigem Dornengestrüpp überwuchert sind, gelingen uns Erstbefahrungen auf Río Perez und Río Mayer.

Anschließend trennen sich unsere Wege wieder. Während Mariann, Severin und Ron noch weitere Flüsse der Region in Augenschein nehmen wollen drängt bei uns Übrigen das nähere Rückflugdatum zur Rückkehr in den Norden Patagoniens. Diese langwierige Fahrt auf rumpeligen Schotterpisten unterbrechen wir mit einigen Befahrungen, die wir teilweise schon bei der Herfahrt ausführlich gescoutet hatten.

Zu den Highlights darunter zählt sicherlich der Río Bravo. Dessen Crux und Surprise Canyon stellen traumhaftes Wuchtwasser in einer atemberaubenden Schlucht unweit der Carretera Austral dar. Während Jakub und ich bei einer Befahrung des Surprise Canyons auf dem ruhigen Wasser am Schluchtausgang dahintreiben nähern sich plötzlich mehrere Kondore um eine Viertelstunde lang nur wenige Meter über unseren Köpfen zu kreisen. Wir sind beeindruckt von der Größe und Eleganz der Vögel.

Neben dem Río Jaramillo gelingt Jakub und mir auch die Erstbefahrung des Chacabuco Durchbruchs bis in den Río Baker. Das Valle Chacabuco wird zur Zeit mit anderen Nationalparks verbunden und zum Parque National Patagonia umgewandelt. Diese Region wird auch als die Serengeti Chiles bezeichnet. Neben unzähligen Guanaco Herden, Straussen, Flamingos und Füchsen bekommen wir sogar Puma Spuren zu Gesicht.

Mit dem Río Chacabuco ist unser Durst nach neuen Erkundungen erst einmal gestillt. Auch das Rückflugdatum nach Deutschland kommt immer näher. Und so beschließen wir, zurück in nördlichere Gefilde zu fahren und vor allem die sich auf dem Weg befindlichen Klassiker mitzunehmen. Knapp 3 Wochen bleiben uns dafür noch Zeit...

Fotos: Jakub Sevidy, Severin Häberlin, Seppi Strohmeier